Acht Bier
für den Mann am
Klavier
Ein Interview
von 1999,
das niemals gedruckt wurde:
Der Talk mit Ronnie und
Ken von den legendären Dampfhammer-Rockern und Ohrwurm-Königen Pretty
Maids fand im Rock Hard keine Berücksichtigung.
Wo
bist du
aufgewachsen?
Ronnie:
In Horsens. Mittlerweile
wohne ich knapp 30 Kilometer
weiter südlich, in Velje, direkt neben dem Stadion von Velje BK, dem
Stammverein von Allan Simonsen. Keine schlechte Sache für einen
Fußballverrückten
wie mich.
Ken:
...und ich in Joplin, mitten
in Dänemark, auf dem platten
Land. Eine typische Stadt mittlerer Größe, knapp 60.000 Einwohner.
Wo
würdest du gerne
leben?
Ken:
Überall sonst, haha.
Ronnie:
Nirgendwo sonst. Ich komme
immer wieder gerne nach Hause.
Das Gute am Musikerdasein ist ja, dass du ständig in fremde Länder
kommst.
Selbst nach Tahiti würde ich nur im Urlaub fahren. Ich könnte mir nicht
vorstellen, dort auf Dauer zu leben.
Wann
habt ihr eure ersten Autos zu Schrott gefahren?
Ronnie:
Bei Glatteis hab ich mir
schon den einen oder anderen
Kotflügel abrasiert.
Ken:
Na gut, meine Kisten sind
immer ziemlich zerbeult und
verschrammt, weil ich öfters mal einem hinten draufrausche oder `ne
Hausecke
mitnehme. Aber bisher ist nix Ernstes passiert.
Gab´s
sonst
irgendwelche bizarren Unfälle in eurem Leben?
Ronnie:
Abgesehen davon, dass wir
geboren wurden?
Ken:
Oh, davon kann ich ein
Liedchen singen. Unter anderem hab´
ich mir beide Hände und dazu schon fast jeden einzelnen Finger mal
irgendwann
gebrochen. Außerdem hab´ ich mir mal `ne Axt in die Stirn gehauen. Das
erklärt
wohl, warum ich einen Dachschaden habe, haha.
Wie
hast du denn
das geschafft?
Ronnie:
Er wollte jemanden
umbringen.
Ken:
Quark! Ich war ungefähr fünf
und wollte beim Camping im Wald
Holz hacken, dummerweise mit der flachen Seite nach unten, als mir das
Ding
beim Hochziehen aus der Hand gerutscht ist. Meine Mutter hat sich halb
totgelacht, als ich blutüberströmt angekrochen kam.
Warst
du in der
Schulzeit eher ein Rabauke oder der ständig aus dem Ei gepellter
Musterschüler im Konfirmandenanzug?
Beide
gleichzeitig: Ganz klar Rabauke!
Ken:
Ja, wir haben nur Unsinn
angestellt. Das ist auch der Grund
dafür, warum ich nie Deutsch gelernt habe. Bei uns ist Deutsch
Pflichtsprache
in den Schulen. Aber ich wurde so oft aus dem Unterricht geschmissen,
dass ich
nix mitbekommen habe. Ich war der Alptraum eines jeden Lehrers. Und
mein
eigener. Ich konnte nie stillsitzen. Das geht mir heute noch so. Der
Unterschied
zu damals: Jetzt darf ich beim Rumzappeln was trinken. Also kommt am
Ende doch
was dabei raus, haha.
Ronnie:
Bei uns gab´s einen
Spezialraum für die besonders
renitenten Kids, die unter ständiger Beobachtung standen. Ich glaube,
ich habe
fast meine gesamte Schulzeit dort verbracht.
Siehst
du dich in der
Lage, dir selbständig eine Mahlzeit zuzubereiten, oder bist du ohne
Mutti
und das Pizza-Taxi ein toter Mann?
Ronnie:
Wir kochen beide gerne.
Vor allem Gerichte, zu denen eine
Menge Rotwein passt.
Ken:
Je älter du wirst, desto mehr
interessierst du dich für so
was. Vor zehn Jahren hätte ich allenfalls eine Kaffeemaschine in die
Luft jagen
können. Auf unserer letzten Japanreise ist mir aufgefallen, dass wir
beide auf
einmal keinen Elektro-Krempel wie Walkmen oder ähnliches gekauft haben,
sondern
mit allerlei Küchenzeugs zurückkamen: Unsere Koffer waren vollgestopft
mit
Messersets, Gewürzen und Spezialgrillsoßen.
Ronnie:
Für mich ist es immer
wieder eine Herausforderung, vor
allem was exotische Gerichte angeht. Meine Frau ist bei typisch
dänischen
Gerichten unschlagbar, da halte ich mich raus. Aber wenn´s um
mexikanische,
indische oder japanische Küche geht, stehe ich am Herd.
Hast
du schon mal
vor lauter Spielgeilheit dein Instrument im Proberaum zertrümmert?
Ronnie:
Ein teurer Spaß. Das
können wir uns nicht leisten. Klar,
wir flippen manchmal schon ziemlich aus, wenn wir `ne Jamsession
spielen und
ein paar Biere intus haben. Aber das bleibt immer im Rahmen.
Ken:
Ich hab´ mal ein Schlagzeug
kaputtgemacht. Aber es war nicht
meins. Ich weiß nicht mehr genau, warum, aber ich habe ein paar Felle
mit den
Drumsticks durchstochen. Der Besitzer fand das gar nicht gut.
Was
ist deiner
Meinung nach die wichtigste Erfindung der Menschheit?
Ken:
Hahaha: Sex!
Ronnie:
Das Telefon. Oder
vielleicht doch eher der Fernseher?
Ken:
Was für ein Blödsinn. Was
nützt dir das Ding ohne Strom? Oder
läuft deiner zur Not mit Diesel?
Ronnie:
Okay, wenn ich so darüber
nachdenke: Was nützt dir ein
Telefon ohne eine Nummer, die du wählen kannst? Meine Antwort ist also:
die
Nummer.
Mit
wem würdest du
nie gemeinsam in die Sauna gehen?
Ken:
Hahaha: Mit Ronnie natürlich.
Und mit John Holmes. Das ist
der Kerl mit dem längsten Schwanz der Welt, der Pornostar. Mit diesem
Ding in
der Nähe hätte ich Angst.
Stell
dir vor, du
landest ohne Papiere, Geld und Sprachkenntnisse in einer dir total
unbekannten
Stadt auf einem fremden Kontinent. Wie bleibst du am Leben?
Ronnie:
Ich würd´ mir erst mal
einen runterholen. Danach bist du
entspannt und kannst dir konkretere Gedanken machen, wie´s weitergehen
soll.
Ken:
Ich weiß nicht, ob das Sinn
machen würde, aber ich würd´ mir erst
mal `ne Frau zulegen, und zwar mit der Methode, die unsere Vorväter in
der
Steinzeit drauf hatten. Du brauchst dich nur umzuschauen, was uns die
Steinzeit
alles gebracht hat: Rotwein, Telefone, Bier und Fernseher!
Für
welches
öffentliche Amt würdest du dich zur Wahl stellen?
Ronnie:
Finanzminister, um endlich
mal ein durchschaubares,
korrektes Steuersystem einzuführen.
Ken:
Ich wär gern Präsident.
Präsident
wovon?
Ken:
Der Welt! (Riesengelächter)
Ken Hammer, President of the
World. Yeah! Coole Sache. Du hast dann alles im Griff. Und morgens
bringen sie
im Radio, was du gestern geschwätzt hast.
Habt ihr je einen
Gig abgebrochen?
Ronnie:
Nein, obwohl wir´s einmal
gerne gemacht hätten. Auf
unserer ersten Tour im Vorprogramm von Saxon in Stoke, England, sind
während
unseres Auftritts permanent Flaschen und allerlei Gedöns auf die Bühne
geflogen;
dazu sind wir ununterbrochen von den Kids aus den ersten Reihen
angespuckt
worden. Wir haben unsere 45 Minuten durchgespielt, weil wir den Leuten
auf
unsere Weise unser „Fuck you!“ zeigen wollten. Alles andere wäre das
Eingeständnis einer Niederlage gewesen, hätte bedeutet, dass wir den
Schwanz
einziehen.
Erinnerst du dich
noch an den schlechtesten Gig deiner Laufbahn?
Ronnie:
Den hatten wir 1990 auf
der Christmas-Tour in der „Großen
Freiheit“ in Hamburg. Wir waren verkatert, und darüber hinaus war meine
Stimme
komplett im Eimer. Wir haben den Set durchgespielt, aber es war ein
äußerst
peinlicher Auftritt...
Welchen Musikstil
magst du überhaupt nicht?
Ronnie:
Techno und alles, was mit
Growl-Vocals gefahren wird, also
eigentlich die komplette Death-Metal-Ecke, obwohl mir manche der Riffs
wirklich
gut gefallen. Aber der Schlüssel zur Musik ist und bleibt nun mal die
Entwicklung von Melodien.
Ken:
Bei mir ist es auch Techno.
Denn ich höre Musik vor allem zu
Hause. Und wer um alles in der Welt legt sich freiwillig zu Hause
Techno auf?
Das funktioniert wahrscheinlich wirklich nur in einer Disco - in
Kombination
mit den passenden Pillen...
Wie
würdest du
einem Außerirdischen die Vorzüge der Erde schmackhaft machen?
Ken:
Bei uns zu Hause gibt´s jede
Menge Aliens. Das fängt bei
meinen Nachbarn an. Und was sagen wir denen?
Ronnie:
Fuck off!
Beschreibt
bitte den
übelsten Proberaum, in dem ihr je gespielt habt.
Ken:
Proberäume sind alle
scheußlich!
Ronnie: Eine Woche, nachdem wir
einen neuen Proberaum bezogen
haben, sieht´s da drin schon unbeschreiblich aus.
Ken:
Ich erinnere mich an eine
Hütte, die wir vor jeder Probe
komplett reinigen mussten, weil die Mäuse alles vollgeschissen hatten.
Ein paar
von den Viechern haben sogar einen meiner Gitarrenkoffer zernagt.
Ronnie:
Wir hatten so viele peinliche
Proberäume, es ist unglaublich.
Klar, kein Mensch möchte eine Hardrockband in seiner Nachbarschaft
haben. Also
sind wir nur in Löchern weit draußen untergekommen.
Was
würdest du tun,
wenn du einen Tag lang unsichtbar wärst?
Ken
(lacht sich erst mal einen
Ast): Ich würde mich auf Ronnies
Klo oder in seinem Schlafzimmer verstecken und jede Menge Fotos von ihm
schießen.
Eure
Vorgänger im
Schwatzkasten wollten fast alle unerkannt eine Bank ausrauben...
Ken:
Wie langweilig! Wen
interessiert denn schon Geld? Das ist
doch viel zu materiell. Wo bleibt da der Witz? Darüber kann man nicht
lachen.
Aber ich hätte zehn Jahre lang was zu lachen, wenn ich diesen Tag in
Ronnies
Schlafzimmer verbringe, haha.
Ronnie:
Mich würde eher
interessieren, was der Papst so im stillen
Kämmerlein treibt. Wäre doch `ne Riesensache, genau in dem Moment
wieder
sichtbar zu werden, wenn er sich einen runterholt.
Bist
du schon mal
mit einer berühmten Persönlichkeit verwechselt worden?
Ken:
Nö. Aber es hat schon öfters
Leute gegeben, die mich für den
Mann von der Müllabfuhr gehalten haben. Ich sehe anscheinend irgendwie
aus, als
wäre ich für jede Sorte Müll zuständig. Obwohl, es ist an sich kein
Wunder, wenn
man sich anschaut, was ich so alles an Abfall mit mir herumschleppe.
(grinst
Ronnie an)
Denkst
du manchmal,
du wirst völlig verrückt?
Ken:
Ausnahmslos jeden Tag! Ich
warte nur auf den Moment, wo ich
den Höhepunkt des Wahnsinns erreiche. Die Linie zwischen Genie und
Wahnsinn ist
bekanntlich verdammt dünn. Und ich habe keine Ahnung, wo ich mich
befinde. Ich
weiß immerhin so viel: Ein Genie bin ich nicht, haha. Wie auch immer:
In diesem
Business musst du einfach ein bisschen verrückt sein, sonst wärst du
gar nicht
erst dabei.
Ronnie:
Ich habe zwei kleine
Kinder. Manchmal schreien beide
gleichzeitig los. Wenn dazu auch noch meine Frau laut wird, ist der
Moment
gekommen, an dem ich verrückt werde. Dann gehe ich meistens auf ein
paar Drinks
in meine Stammkneipe. Und das ist genau der Punkt, an dem es ernst
wird: Denn
dann dreht meine Frau durch.
Welches
Instrument
sollte deiner Meinung nach verboten werden?
Ronnie:
Eindeutig: die Gitarre.
Und natürlich das Harmonium.
Natürlich.
Ken:
Die Geige. Ich hasse das
Ding. Es gibt definitiv nichts
Schlimmeres. Fuckin´ hell. Klingt, als ob jemand eine Katze erwürgt.
Abgesehen
von ihrem grausigen Sound gibt es aber noch andere Gründe, die gegen
die Geige
sprechen. Mein Bruder ist Bassist in einer Bar-Band, zusammen mit einem
Klavierspieler. Irgendwann hab´ ich den Knaben mal gefragt, warum er
denn
ausgerechnet Klavier spielt. Er fragte zurück: Willst du mich
hopsnehmen?
Schau, irgendwelche Leute aus dem Publikum spendieren dir immer mal ein
paar
Bierchen. Auf einem Klavier kannst du die schön der Reihe nach
aufstellen und
austrinken. Und jetzt schau dir unseren Geiger an: Siehst du ein
einziges Glas
in seiner Nähe? Ist ja auch kein Wunder: Wie soll der auf seinem Ding
ein Bier
abstellen und gleichzeitig spielen? Alles klar?
Hast
du ein Idol?
Ronnie:
Sicher. Paul McCartney.
Robert Plant. Die Jungs von Deep
Purple, Whitesnake und Rainbow. Und natürlich good old Ozzy. Der Mann
ist ein
echter Charakter.
Ken:
Ich habe ihn so oft erwähnt,
dass ich jetzt nicht weiter ins
Detail gehen möchte, aber für mich ist es Phil Lynnot. Er war ein
echter Held,
und es kotzt mich immer noch an, wie leichtfertig er sein Leben
weggeworfen
hat.
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