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Pig Brother lässt
die Sau raus:
Schweinereien auf dem Bauernhof
Hey Leute!
Neulich schlüpften wir mal wieder bei unserem
Kumpel Ogez (...in der Zivilisation...) unter. Höllen-Karlchen
investierte
nämlich all sein Taschengeld, um unsere Scheune übers Wochenende zu
mieten.
Nun...wenn wir geahnt hätten, dass er sie als Proberaum für seine neu
gegründete Extrem-Evil-Old-School-Schwarzwurzel-Band missbrauchen will,
hätten
wir ihn zum Teufel gejagt (...oder zumindest mehr Kohle verlangt...).
Der Krach
den die drei Jungs (...im Alter zwischen 12 und 14...) da
veranstalteten, war
jedenfalls heftig. Klang ganz schwer nach Graf Draculas Großbaustelle,
garniert
mit Gemetzel auf dem Zombie-Friedhof, Blutorgie der gerissenen
Bass-Saiten und
Amoklauf im Kindergarten.
Zu allem Überfluss nannten sich die Buben in
Erinnerung an ihre Vorfahren (...allesamt Viehdiebe...) auch noch "Die
Muh-Borger".
Wenn das mal nicht zu bösen Verwechslungen führt...
Uns jedenfalls war´s
zu knüppelig. So kehrten wir dem Ödland den Rücken und fielen (...wie
einst die
Heuschrecken in Ägypten...) bei Ogez ein...
Solche
Ausflüge
nutzen wir immer gern, um ein bisschen durchs Fernsehen zu zappen. Aufm
Hof
sitzen wir nämlich in der ersten Reihe (...und nur dort...).
Für
gewöhnlich
vermutet der unbedarfte Laie ja, dass wir Ödländer ziemlich weit
hinterm Mond
leben. Böse Zungen bezeichnen uns sogar als „rückständig“, nur weil man
in
Schwäbisch-Sibirien auch ohne völlig sinnlose Errungenschaften der
Technik
(...Handys, warmes Wasser, medizinische Versorgung, elektrisches
Licht...)
auskommt. Trotzdem waren wir wohl mal wieder echte Trendsetter, was die
Glotze
angeht... Yeah, hey! Bei euch läuft „big brother“ erst seit ein paar
Jahren. In den
unendlichen Weitend des Ödlandes gab´s das schon im letzten
Jahrhundert. Nur nannten wir ´s
„pig brother“. War ebenfalls ´ne Reality-TV-Serie. Der Ebers-Toni vom
Schweinehof vercheckte davon Videos...
Kam lange
nicht so
dröge und einschläfernd wie eures (...zumal alle Containerbewohner
ständig
nackt waren...), sondern brachte all die Spannung und Dramatik sozialer
Beziehungen auf den Punkt. Außerdem war ´s der Auslöser einer
grandiosen
Clan-Fehde.
Vorletzten
Winter
kam jener besagte Ebers-Toni auf die glorreiche Idee, seine Schweine
mit einer
Videokamera zu überwachen, sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag
(...auch
während der Paarungszeit...). Wir kriegten das ganz zufällig spitz, als
wir uns
auf der Suche nach Nahrung in seinen Stall verirrten. (...Es war ein
verdammt
harter Winter...) Ohne die Kamera hätte er uns garantiert nie erwischt.
Und
weil niemand, der uns wegen dem bisschen Schweinefutter-Klauen mit ´ner
torfgeräucherten Speckwurst verdrischt (...Hans-Jochen verlor zwei
Zähne beim
Versuch davon abzubeißen...) ernsthaft mit unserer Diskretion rechnen
kann,
wusste fünf Minuten später ganz Kleinwolfwülferude Bescheid.
Hey, als
Höllen-Karlchen mal von seinem Vater dabei erwischt wurde, wie er Fotos
von
seiner Schildkröte „Antichrist“ machen wollte, schleifte man ihn
augenblicklich
zu unserem Herrn Pfarrer. Der sollte im hochnotpeinlichen Verhör des
Beichtstuhles herausfinden, ob der Junge etwa schwul sei oder so was in
der
Art...
Schweinevideos
sind
ja nun ´ne ganze Klasse herber als Schildkröten-Bilder. Wir hofften
also
inbrünstig, dass man den Toni nun mit fauligen Äpfeln steinigen würde.
Oder
zumindest sein Ansehen in der Dorfgemeinschaft zu ruinieren. Eine
solche
Enthüllung hätte ihn eigentlich gesellschaftlich vollkommen erledigen
müssen.
Doch genau das Gegenteil passierte: Die Tapes aus der Stallüberwachung
wurden
zum Top-Hit im Ödland. Die ham´ ihn wie einen Helden gefeiert und ihm
die
Videos zu Schweinepreisen abgekauft. Fragt mich nicht, warum (...ihr
schlaft
besser, wenn ihr ´s nicht wisst...).
Natürlich
ruft so
viel Erfolg auch Neider auf den Plan – nämlich uns! Hey, irgendwie war
das doch
alles unser Verdienst. Doch er weigerte sich standhaft, die Einnahmen
zu
teilen. Schon als wir ganz bescheiden nach einer winzigen Provision
(...“Gib
uns 75 Prozent und die Merchandise-Erträge“...) fragten, zückte er nur
die
Killer-Speckwurst. Also schmiedeten wir bei einem
Rettet-die-Welt-Brainstorming
grauenvolle Rachepläne. Wenn man dabei zu viel Unleashed hört, kommen
einem
echt die seltsamsten Ideen.
Klaus-Rüdiger
schlug
vor, dem Toni fleischfressende Regenwürmer in die Nase zu stopfen wenn
er
schläft. Dörthes Vorschlag, ihn von vier Schafen in Stücke reißen zu
lassen,
stand ebenfalls hoch im Kurs. Auch die Kastration mit einem
Bolzenschneider
schien Ulla durchaus gerechtfertigt. Ein CD-Wechsel zu Poison lenkte
unsere
Gedanken dann schwer in Richtung Gift.
Wie alle
echten Metaller
verfügen wir natürlich über eine gut sortierte Bibliothek okkulter
Zauberbücher
(...“Modernes Kochen mit Tofu“ und ähnliches...), in denen sich
zahlreiche
Rezepte für mörderische Cocktails finden. Beflügelt durch den Sound,
rührten
wir rasch einen Mix aus den zehn Tödlichsten zusammen. Die Teile trugen
so
ehrfurchtgebietende Namen wie „Erfüllte Witwen-Träume“,
„Dünndarm-Bombardement“,
„Dr.Rudis Abführmittel für Riesenkakerlaken“ oder „Omas
Mundgeruch-Töter“. Das
Ergebnis füllte den Öko-True-Metal-WG-Waschzuber, blubberte, wies eine
zart-rosa Färbung auf und roch ganz doll nach fauligen Erdbeeren. Ein
wenig
befremdet stellten wir das Ding erst mal vorm Haus ab...
Erst spät
in der
Nacht, als „Electric Eye“ von Priest aus den Boxen wummerte, kroch der
teuflischste
aller Pläne durch unsere kranken Hirne: Verkleidet als
Kundendiensttechniker
schauten wir am nächsten Tag auf der Schweinefarm vorbei. Es war fast
schon zu
einfach, eine Kamera vom Stall in Tonis Schlafzimmer (...gleich
nebenan...) zu
schmuggeln und ordnungsgemäß zu installieren.
Am
nächsten Morgen
nahm der unwissende Toni das Tape aus dem Recorder und gab es zum
Kopieren. Er
freute sich schon auf die allabendliche Premiere beim Stammtisch in
„Lothars
Loch“ (…DEM aufsteigenden Abenteuer-Gastronomie-Unternehmen in der
Region!).
Yeah hey! – Mittlerweile gab ´s schon einen echten „Pig
Brother“-Fanclub, der
sich jeden Tag in der Dorfkneipe zusammenrottete, um die neuesten
Bilder aus
der Schweinezucht zu bestaunen. Und jedes Mal nominierten sie ein
Schwein, das
eine Reise zum Schlachter gewinnen konnte. Alle waren dabei – der
Bürgermeister, unser Herr Pfarrer, Klotzkopf-Kuno, ja sogar der ölige
Ignaz kam
aus dem Hinterland angetuckert. An jenem speziellen Abend waren auch
wir
anwesend...als Zaungäste versteht sich (...Lothar verlangte einen
Fünfer
Eintritt...).
Zuerst
ging ´s ab
wie immer. Toffelschnapsflaschen und Pressack-Schnittchen machten die
Runde,
Zigarren und Pfeifen vernebelten die Kneipe, Sprüche und Schnitzel
wurden
geklopft. Dann legte Lothar das Video ein. Eine dramatische Windbö
pfiff ums
Haus, Donner rollte in der Ferne, und aus unseren Walkmännern dröhnten
Sounds
von My Insanity.
Auf dem
Fernseher
wandelte sich emsiges Schneetreiben plötzlich in ein klares Bild. Doch
statt
des üblichen Schweinegewimmels zeigte es Tonis Schlafzimmer. Dieser
stieß ein
übles Röhren aus (...das so manchem Hirsch Minderwertigkeitskomplexe
einbrachte...) und versuchte sich durch die Menge zu drängen, um das
Band
abzustellen. Doch Oma Krauses kräftige Enkel, sieben Stück an der Zahl, erstickten seine Bemühungen im Keim. Sie
setzten sich einfach auf ihn drauf. Auf dem Schirm erschien derweil
Uschi,
Tonis Verlobte, im Bild. Sie erntete heftigen Beifall, Pfiffe und
Johlen.
Lediglich unser Herr Pfarrer zeigte sich wenig begeistert und fiel wie
von
göttlichen Blitzen gefällt voll auf die Fresse. War ´s der Messwein?
Oder hatte
er sich mal wieder mit Weihrauch zugedröhnt? Vielleicht hat ´s ihn auch
schlicht und ergreifend zölibatär geschockt, dass die Uschi wohl vergessen hatte, ihr Nachthemdchen
anzuziehen... Wenig später gesellte sich der Toni dazu. Auch er
präsentierte
sich völlig ohne störende Textilien. Die beiden demonstrierten der
erstaunten,
aber durchaus geneigten Zuschauermeute, was sie so unter „Erfüllung der
ehelichen Pflicht“ verstanden...
War das
ein Tumult
in Lothars Loch! Nicht wenige feuerten das Geschehen im Fernseher mit
wilden
Sprechchören an. Uschi wurde sogar genötigt, Autogramme zu geben. Der
Toni
bäumte sich immer wieder grunzend auf (...sogar in visuellem
Stereo...auf ´m
Bildschirm und in der Kneipe...), doch Oma Krauses Enkel sind eine
Macht für
sich. Sie blieben sitzen, drückend und schwer wie dumpfstes Todes-Blei.
Als die
Vorstellung
auf dem Bildschirm nach drei Minuten ihren wenig beeindruckenden
Höhepunkt
überschritt, wandten wir uns zum Gehen. Wie der Toni sich wieder anzog,
um auf
mitternächtlicher Schweine-Patrouille über den Hof zu trotten, schien
uns nicht
weiter interessant. Doch als ein Schrei der Überraschung aus den Kehlen
der
Wirtshaus-Zecher aufstieg, eilten wir rasch an unseren bequemen
Fensterplatz
zurück. Die Show ging ja noch weiter! Die Uschi – ganz und gar kein
Kind von
Traurigkeit – outete sich als echtes Luder! In der nächsten Stunde gab
sich das
halbe Dorf die Schlafzimmertürklinke in die Hand. Hossa! Lange
Augenblicke
überlegten wir, ob es sich machen ließe, da irgendwie ein
Kartenhäuschen
einzurichten...
Dann fiel
uns auf,
dass die Stimmung in der Kneipe immer gespannter wurde. Es kam
plötzlich zu
gewalttätigen Ausschreitungen. Männer, die auf der Leinwand ihr Bestes
gaben,
wurden plötzlich und ohne Vorwarnung körperlich misshandelt – meist von
ihren
Frauen...hin und wieder aber auch von Toni (...wenn er eine Hand frei
bekam...).
Unser Herr
Bürgermeister setzte der Rangelei schließlich ein Ende. Er griff tief
in die
Tasche seines Amtsgewandes (...aus Satin-Kartoffelsäcken
geschneidert...), zog
einen uralten, löchrigen Lederhandschuh hervor und schleuderte diesen
auf den
Boden der Kneipe – den legendären Ödländer Fehdehandschuh! Schweigen
breitete
sich wie ein Leichentuch über die Schwäbisch-Sibirier. Wenn unsere
Walkmänner
nicht munter weitergerumpelt wären, man hätte die sprichwörtliche
Stecknadel
fallen hören können.
Ulla
blickte mich
erschrocken an, als ihr bewusst wurde, was der Handschuh zu bedeuten
hatte. „Ulrich!“,
flüsterte sie mit blitzenden Augen. „Wir haben eine Clan-Fehde vom Zaun
gebrochen!“
„Fein“, freute sich
Klaus-Rüdiger. „Endlich mal was los in der Gegend...“
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