Yeah! Finnland bei minus 26 Grad!

Hicksi, kaksi, kolme!
von Klaudia Weber


Nicht erst seit den Charterfolgen von Stratovarius, Nightwish oder HIM erfreut sich die finnische Kultur unter Metallern und Rock´n´Rollern unterschiedlichster Couleur höchster Beliebtheit. Abgesehen davon, dass in der typisch nordischen Sauna mächtig viele pangalaktische Donnergurgler gesoffen werden, erfährt man allerdings wenig über Land und Leute. Diese Bildungslücke wird hiermit geschlossen. Wer noch nie Wodka mit Teer abgekippt oder Peitschen-Sex mit einem Rentier hatte, sollte unbedingt weiterlesen:


Ihr wollt Finnland-Travel-Tips - objektiv, informativ, kulturell hochwertig, ernsthaft und intelligent? Dann seid ihr hier falsch. Die gibt´s unter www.scandinavian.net oder www.helsinki.net oder www.oulutourism.fi. HIER erwartet euch der ALTERNATIVE Finnland-Führer mit einer kleinen Vorstellung kultureller Highlights in den Metropolen Oulu und Hel(l)sinki. 

Extradicke Scheibenwischer

Was ich an Finnland so toll finde? Unter anderem, dass man die Männer gleich als das bezeichnet, was sie sind. Nämlich „Mies“. „Frau“ heißt übrigens „Nainen“. (Ja, ich weiß - weil die immer nein sagen. Wieher! Zufrieden?)

Ansonsten kennt die finnische Sprache keine „Geschlechter“ und daher auch keine Diskriminierung. Bloß haben die nicht nur vier, sondern gleich 15 (!) Fälle. Zur Sprache kommen wir dann etwas später.

Zunächst muss festgehalten werden, dass Finnland tatsächlich allen Klischees entspricht. Die Gegend sieht genauso aus wie auf kitschigen Postkarten - flach, Wald, Seen, dazwischen ein paar Blockhäuser, im Winter tief verschneit. Irgendwann fühlt man sich wie im Flugzeug, weil außer „weißem Formenspiel“ eigentlich nix zu sehen ist. Aber keine Sorge: Im Winter isses maximal vier Stunden „hell“. „Tageslicht“ kann man das ja eher nicht nennen - die Sonne kommt nicht über den Horizont, der Mond auch nicht. The land of darkness - ein Paradies für Nachtschwärmer und alle, die es werden wollen.

Nun gut: Ehrlich gesagt habe ich von Finnland ja nur die Gegend entlang der Bahnstrecke Helsinki-Oulu zu sehen gekriegt (IC 9,5 Stunden, ansonsten bis zu 13 Stunden Fahrt). Bloß fährt man da immerhin auch durch die Großstadt Tampere, und abgesehen von Turku an der Westküste ist´s auch schon Essig mit großen Städten. Laut Landkarte gibt´s im Osten ja eh hauptsächlich Wasser, kaum noch Straßen oder Siedlungen, und alles nördlich von Oulu zählt schon zur Polarregion. Dort sagen bestenfalls die Lappen ihren Rentieren gute Nacht. Oder kratzen sie vonner Lok. Solche Unfälle sollen öfters vorkommen. Deswegen haben die finnischen Loks extradicke Scheibenwischer.

Nächstes Klischee: Es ist saukalt. Stimmt. Zumindest im Winter. Dabei sind die Temperaturen in Helsinki eher gemäßigt (was für Weicheier...), also einem hiesigen Winter entsprechend. Nur in der Hafengegend oder Richtung Norden, wo der Wind so schön durch die nach US-Vorbild phantasievoll geometrisch angelegten Straßen pfeift, empfindet man läppische minus fünf Grad Celsius schon als äußerst unangenehm.

Echte HeroInnen sollten sich nach Oulu aufmachen: Dort herrschen minus 26 Grad! Da gefriert die Atemluft auf dem Weg zur Lunge. Schnee gips auch in Massen. Schleudernde Autos zählen zum normalen Straßenbild. Trotz 50 Zentimetern Schneehöhe sind die Eigeborenen seltsamerweise auch auf Fahrrädern unterwegs.

Und wie isses mit der Sauna? Nun ja, in der Tat gibt´s eine in jedem Haus, in jedem Hotel, und man kann auch (gemischte) öffentliche dieser Folterkästen besuchen.

Kultur 

Oulu: Universitätsstadt, nette Einkaufsstraßen, Museen und Freilichtmuseum, Wissenschaftszentrum, Kirchen, Galerien, Archäologisches Aktivzentrum, botanischer Garten, Plattendealer... Dieselben Architekten, die in Russland früher Atomkraftwerke gebaut haben, gestalteten übrigens auch das örtliche Theater - mit Abstand das hässlichste der Welt - und die Bibliothek. Modern, schlicht, funktional im unaufdringlichen Betonbunker-Styling. Alle Achtung.

Außerdem gibt es an jeder Ecke Karaoke-Bars und regelmäßig Tango-Tanzabende. Ja, die Finnen sind vom Tango besessen! Zugegeben, der Tanzstil der Nordländer sieht etwas anders aus als der der Argentinier...

Scheinbar ist Oulu auch ein guter Boden für Metal-Bands, denn außer Sentenced und The Black League sind hier noch Afterworld, Agnus Dei, Black Swan, Catamenia, Embraze, Legenda, Myon, Quietus, Plan E und Terveet Kädet beheimatet. Angeblich auch Impaled Nazarene, die sich mittlerweile aber in Helsinki angesiedelt haben.

Kulturelles Highlight: Hier haben im letzten Sommer die ich-weiß-nicht-wie-vielen internationalen Weltmeisterschaften im Luftgitarrespielen stattgefunden. Das Spektakel wird sogar stolz im Tourismus-Prospekt beworben, gleich nach der „Knoblauchnacht“: „Oulu Music Video Festival 23.-26.8.01 Stadtfestival des beweglichen Bildes - Kino, Videos, Luft & Gitarren.“ Mehr Infos kriegt ihr unter www.omvf.net. Gewonnen hat beim letzten Mal ein Brite. Über luftgetriebene Gitarren informiert übrigens auch www.mirrorimage.com/air/index.html.

Camping 

„Camping at the seaside“ ist nur im Sommer empfehlenswert; im Winter isses zwar leichter, einen Parkplatz zu kriegen, aber bei fast minus 30 Grad doch etwas mühsam, ein Loch in den Bottnischen Meerbusen zu hacken. Seltsames Gefühl, ein bis zum Horizont zugefrorenes Meer zu sehen. Angeblich kann man auf der Eisdecke sogar Wander- und Motorschlitten-Touren unternehmen bzw. mit dem Auto nach Schweden fahren.

Sport

Sport ist in Finnland so eine Sache. Im Grunde genommen - betonen manche Einheimische - hat nämlich sogar Saufen einen gewissen sportlichen Charakter. Allerdings nicht Leistungs-Marathontrinken wie bei uns, eher „Kampftrinken“ im engsten Sinne, d.h. möglichst schnell möglichst viel. Anscheinend gibt es richtige Trainingslager, denn am Bahnhof in Helsinki fiel mir ein junger Mann auf, der bis auf eine Palette Bier kaum Reisegepäck hatte.

Telefonieren scheint in Finnland nur was für Tüftler, Mathematiker oder Chaostheoretiker zu sein. Es gibt verschiedene Handynetze, einige lassen keine Auslandsverbindungen zu, was man aber nicht wissen kann, wenn´s einem kein Einheimischer erklärt. Aber auch wenn man´s  kann, isses nicht so einfach, denn Telefonkarten lassen sich nicht grundsätzlich in allen Telefonzellen benutzen. Da muss man jene der Kartenfirma (z.B. Sonera) suchen gehen - bei Minusgraden in der Finsternis und nur mit rudimentärem Stadtplan bewaffnet, kriegt das Ganze einen gewissen sportlichen Charakter (Orientierungslauf).

Klar, dass die nordischen Sportarten einen anderen Stellenwert haben als bei uns. Es dürfte schwer sein, Zeitgenossen in Göttingen, Nizza oder Kairo bei der TV-Übertragung einer Ski-Langlauf-Veranstaltung ähnlich crazy ausflippen zu sehen. Möglicherweise gibt es auch Fanatiker, die das berühmte Oulu-Marathon-Eislochangeln (über 48 Stunden) live per TV verfolgen. Who knows?

Sex 

Sex soll nur im Sommer stattfinden. Wann und vor allem wie die Finnen denn nun...ahem...habe ich bedauerlicherweise nicht erforschen können. Einige Bandmitglieder von Finntroll haben auf ihrer Bandpage „poromies“ als ihre Lieblings-Sex-Stellung angegeben. Sehr interessant, denn poro = Rentier, mies = Mann, wie bereits angemerkt. Gitarrist Somnium behauptete, das hätte nichts mit Tieren zu tun, weigerte sich aber standhaft, diese Position zu erklären. „Lass deine Fantasie spielen“, meinte er. Das war ein Fehler. Meine Fantasie entwarf mittlerweile Liebesspielchen, bei denen ein Schlitten, Glöckchen, eine rote Nase sowie ein peitschenschwingender, beleibter Mies mit langem weißen Bart eine Rolle spielen... Wer andere Vorschläge hat: Ruf - mich - an! (bzw. mail me...)

Drogen

Blöd an Finnland ist, dass man erst ab 18 Alkohol trinken darf. Wieso isses blöd? Weil man unter 18 auch nicht in einschlägige Clubs rein darf, auch wenn man gar nicht saufen, sondern nur seine Lieblingsband ansehen will. Logo, dass sich die Jugend aus Verzweiflung ganz anderes Zeug einwirft. Salmiakki zum Beispiel. Bei uns ist dieses Zeug in der wesentlich entschärfteren Fassung als „Lakritzbonbon“ zu haben. Original-Salmiakki hat damit aber nicht viel gemein - das finnische Wort beschreibt in etwa Geschmack und Wirkung der relativ großen, harten und ziemlich salzigen dunkelbraun bis schwarzen Würfel. Massiver Konsum von Salmiakki-Bonbons soll sogar gesundheitsschädlich sein. Für unsereins besteht eh keine Gefahr, denn mehr als ein oder zwei Stück hält der Magen nicht aus. Manche Kandidaten packen´s nicht mal zehn Sekunden. Salmiakki gibt´s auch als Likör. Und der ist ebenso gewöhnungsbedürftig wie eine weitere Spezialität aus Oulu: Terva. Das ist Wodka mit Teer. Yeah. Richtig. Teer. Das, was bei Rauchern in der Lunge ist. Was Leute aufs Dach oder zum Kalfatern zwischen die Planken von Bootsrümpfen kleistern oder auf die Straße schmieren. Anti-Alkoholiker, aufgepasst: Es gibt auch Eiscreme mit Terva-Geschmack!

Schlimmer als Terva und Salmiakki zusammen ist nur noch Absinth - trink fünf, und du bist blind. Schmeckt wie 99-prozentiger Alkohol, daher ist dringend davon abzuraten, unmittelbar nach dem Genuss eine Zigarette anzuzünden.

Apropos Qualm: Rauchverbote gibt es nirgends, aber in einigen Clubs darf man diesem Laster nicht direkt an der Theke frönen. Etwas unlogisch, besonders in Kneipen, die nicht größer sind als ein Schuhkarton. Ein freundlicher Barkeeper hat mir auch dringend von Erwerb & Genuss einheimischer Billigmarken abgeraten. Das muss echt starker Tobak sein. Wer weiß, wo und wie Terva für den Drink gewonnen wird... Argh!

Ein Tip: Weil auch Zigaretten, besonders in Clubs, eher teuer sind, sollte man sich diese in einem „Kioski“ - wo es auch Zeitungen, Snacks und Souvenirs gibt - oder im Supermarkt besorgen.

Rock´n´Roll in Oulu

Rock´n´Roll-Animals werden am „Woodoo Club“ (in der Nähe des Bahnhofs) oder an „Lentävä Lautanen“ („Fliegende Untertasse“) ihre Freude haben. Zumal auch die Leute dort - vom Barkeeper bis zum Besitzer - echt coole und hilfsbereite Leutchen sind. Das finnische „Perkele“-Magazin empfiehlt zudem „45 Special“ (Saaristonkatu 12). Sound ist okay, die Klientel cool, die Preise gemäßigt. Kurz vor Weihnachten 2001 haben Children Of Bodom den allerersten Gig ihrer „Follow the Reaper“-Tour im Woodoo gespielt. Am Tag zuvor gab´s an gleicher Stelle übrigens einen Tango-Abend...

Hellsinki 

Ich weiß, das schreibt man anders. Und angeblich gehören Espoo und Vantaa auch offiziell gar nicht dazu. Nur laut Stadtplan - den man sich gleich organisieren sollte; am Bahnhof, im Hotel oder am Flughafen gips die eh gratis! - sieht es wie eine einzige riesige Stadt aus. Die Innenstadt, also die Gegend um Bahnhof und Hafen, ist aber fußgängerfreundlich an jeder Ecke mit coolen Kneipen, Shops und Restaurants ausgestattet.

Trinken

Der Kaffee ist im Prinzip ungefähr so furchtbar wie in den USA. Bis auf den im Wayne´s Coffee (Kaisaniemenkatu

3). Da kriegt man wenigstens auch ´ne anständige Portion. Dieses Gebräu ist relativ billig (in der Fliegenden Untertasse in Oulu sogar gratis!). Bier leider nicht, im Molly Malone´s gleich daneben werden Preise verlangt, die scheinbar auf dem Mond ausgeheckt wurden. Legenda, Lapin Kulta und Koff sind die gängigsten Marken und ganz empfehlenswert.

Bei vielen Clubs ist der Eintritt getarnt als Garderobengebühr, und man hat nicht den Eindruck, dass man groß die Wahl hätte, nicht zu bezahlen und sein Zeug mitzunehmen...denn Security ist überall stark vertreten - im Einheitslook „Skinhead-Bodybuilder mit Funk im Ohr und schwarzem Anzug“. 

Clubs

Folgende Lokalitäten sollte man sich unbedingt reinziehen: „Tavastia“ (Urho Kekkosen katu 4-6 B) - ein Muss! No more to say!

„Ilves“ (heißt übrigens Luchs) liegt gleich neben dem „Tavastia“; dort kann man auch außerhalb von Konzertterminen einige MusikerInnen treffen. Im TV laufen US-Serien im Originalton.

„Jump Inn“ (Fredrikinkatu) - die Indie/Skater/Alternative-Kneipe, wo auch Moon TV übertragen wird.

„Soda“ (Annankatu) - „Rundumverglasung“, man fühlt sich also wie inner Auslage. Meistens ziemlich voll.

„Cafe Pravda“ (Eteläesplanadi) - genial! Schlicht, sachlich, russisch - erweckt nostalgische Gefühle, genau wie das Theater in Oulu!

„Corona Bar“ (Eerikinkatu 11) - ein Künstler-Szene-Treff mit Kino gleich nebenan. Kultig, denn schon um 20 Uhr fiel einer, der eher nach Yuppie aussah, völlig blau vom Thekenhocker...

„Rock Cafe Maestro“ (Fredrikinkatu 51-53) - cool, gut sortierte Metal-Music-Box, und das Bier ist billiger als in anderen Clubs.

„Factory“ (Siltasaarenkatu, gleich am Busbahnhof über die Brücke Richtung Kallio) - cooles Ambiente, große Portionen!

„Corner Bar“ (Nervanderinkatu) - yeah! Keine „Garderobengebühr“, rustikale Einrichtung, knorke Music-Box, man trifft coole Leute (u.a. den Sänger von Barathrum, der seitdem angeblich in dieser Kneipe Lokalverbot hat), und das Bier ist billig.

„Liekki Bar“ (Annankatu) - klein, aber schräg! Hauptsächlich Alternative-Sound.

„Cafe Labyrinth“ (Fredrikinkatu) - „klassischer“ Rock und freundliches, ausgesprochen hübsches Personal.

„Nosturi“ (Telakkakatu 8, etwas weiter draußen, am Hafen, aber zu Fuß ganz gut zu erreichen) - angeblich das Black Metal/Goth-Mekka. Eine Riesenarena! Dort sind auch die Proberäume diverser Acts untergebracht (Waltari, The 69 Eyes, Apocalyptica, Children of Bodom, HIM, Sinergy...)

„Poppis“ (Keskuskatu 6) - in der Passage des Einkaufszentrums-Komplexes. Hat bis drei Uhr offen!

„Aladdin“ (gleich daneben) - hat bis vier Uhr offen. Pfoten weg von seltsamen Crush-Eis-Wodka-Lemon-Getränken! Schrecklich sauer! Die Mischungen erzeugen akute Haarwurzelkrämpfe.

„Manala“ (Dagmarinkatu 2) - Studentenkneipe, freundliche Bedienung, getrennt in Fress/Saufbereich, im Keller rumpeln Live-Acts.

„Tse Tse Club“ (Eerininkatu 27) - Alternative-Musikladen mit integrierter Sauna-Bar. Check it out!

„Cafe Ursula“ (Ehrenströmintie, im Kaivopuisto Park) - bietet Blick aufs Meer. Dazu gibt´s jede Menge abgefahrener Gay-Bars jenseits der Brücke (Richtung Kallio).

„Lost & Found“ (Annankatu 6) - sehr beliebt, weil länger offen als andere Clubs (bis vier Uhr). Kann aber passieren, dass die Frauen in dem Schuppen alle irgendwie nicht ganz echt sind. Ein Tip - vorm Abhotten auf der Tanzfläche sollte man die Zigarettenschachtel anketten und keinesfalls zehn Jahre alte kultige „Morgoth“-Sweater am Tisch liegen lassen - wer immer das Teil nun hat: Pöllöppää! Painu vittun kusipää! Idiottii! Vittu perkele sataana! Die in pain!

Mampf

Essen kann man überall ganz gut. Es gibt kaum lukullische Überraschungen. Na ja - bis auf die Mandarinen im Salat. Im Hotel-Info-Telefonbuch findet man u.a. zahlreiche Gutscheine für Pizza und ähnliches Zeug. Kann man plündern!

Toasts sind gut und billig in der „Corner Bar“ oder bei „Ilves“, Pommes im „Factory“. Schwedische Fleischbällchen sind lecker! Ich hab auch noch nie so viel Lachs (so billig) gegessen - als Eintopf oder geräuchert, und mit Heringsröllchen & Essiggurken zum Frühstück. Yeah, das ist in Hotels, wo die Fahrstuhltüren aussehen wie die von Kühlschränken, absolut üblich. Die Leute haben ein Herz für Party People, äh, Sportler!

Lukullische Tempel: 

„Zetor“ (Mannerheimintje 3-5) - Traktoren, Heuballen, Leningrad Cowboys: Die Speisekarte wird freiwillig als Souvenir mitgegeben, weil sie wahrscheinlich eh immer geklaut wird. Hier gibt´s auch die Terva-Eiscreme.

„Leningrad Cowboys Restaurant“ (Uudenmaankatu 16-20, beim „Soda“-Club um die Ecke) - Essen hervorragend, Atmosphäre einzigartig, und Leningrad-Cowboys-Bier gips auch! Und wo kann man sonst beim Essen AC/DC, Elvis, HIM etc. hören?

„Lapland Restaurant“ (Annankatu 22) - exzellent, natürlich etwas teurer. Aber es zahlt sich aus! Rentier schmeckt wirklich nicht übel!

Ein Muss, weil angeblich so schlecht: „Rubbish Bank“ (= Roskapankki) in Kallio und „Pasin Kulma“ (Pasi´s Corner) in Alppila. Dieser Tip kommt - konsequenterweise - vom Präsidenten der Finnischen Gesellschaft für Schlechte Literatur, Risto K. Järvinen.

Musik

Die Live-Szene spielt sich in den Clubs „Tavastia“, „Nosturi“, „Factory“ oder „Manala“ ab - aber da sind ja noch soooo viele andere; um die Ecke vom „Manala“ findet sich z.B. ein Jazz-Club, im „Molly Malone´s“ spielen irische Acts auf. Empfehlenswert ist auch der „Kerma“-Club (Erottaja 7). Ansonsten ist das Angebot einfach unüberschaubar. Man sollte sich auf alle Fälle einschlägige Flyer und einen Stadtführer organisieren (gibt´s gratis in Englisch und Deutsch im Hotel, am Bahnhof, in Kneipen). Dort stehen massenhaft Events drin.

Proberäume von Nachwuchsbands (z.B. Spiha) findet man in der alten Kabelfabrik: Mit der Tram Nummer 8 oder der Metro zur Endstation Ruoholahti und dann noch knapp fünf Minuten laufen. 

Tee-Vau

Unbedingt anchecken: Jyrki, der finnische MTV-Sender (Mannerheimintie 22-24, nahe „Tavastia“). Der ist nämlich öffentlich im wahrsten Sinn des Wortes: TV im Glaskasten live für die Leute, direkt am Busbahnhof! Wie Radio Mafia oder Moon TV leider auschließlich in Finnisch... Wenn man Glück hat, sind dort gerade Bands zu Gast. Allerdings ist es mit einigem Glück gut möglich, diversen Bands „ganz zufällig“ in diversen Clubs über den Weg zu rennen. „Tavastia“ und „Lost & Found“ sind Lieblingsclubs von HIM, in „Ilves“, „Soda“ oder „Liekki“ sind The 69 Eyes öfters anzutreffen, ebenso Nenne von Spiha, Jimsonweed trinken ihren Schnaps öfters in der „Corner Bar“, Amorphis-Sande mag die „Factory“, wo auch Juhana Rantala, der Ex-HIM-Drummer, mit seiner neuen Band auftritt und Nenne mal Koch war. Der Taxifahrer, der mich zum Flughafen kutschierte, entpuppte sich als Schulfreund von Mikko Paananen, dem HIM-Basser („Mige Amour“), er hat mit ihm sogar in ´ner Schülerband gejammt. Wie gesagt, die Szene in Helsinki ist klein...

Ganz wichtig ist auch der „Soine“-CD-Laden nahe der „Corner Bar“ (Frederikinkatu 71): die Zentrale von Spinefarm/Spikefarm und dem Perkele-Magazin!

Einkaufen...

...kann man gut in Kallio. Hier gibt´s viele sogenannte „UFF-Shops“, also Second-hand-Läden. Auch in der Nähe vom Bahnhof in der Underground-Passage sind einige Schnäppchen zu machen, dazu findet man allerlei UFFs in den Fußgängerzonen. Tja, und die sind eh rund um das Bahnhofsgelände zu finden - Mannerheimingenkatu, Annankatu und alle Seitenstraßen. Coole Designer-Läden und Tattoo-Shops findet man in der Annankatu, Helsinkis einzigen Comic-Laden „Fantasiapelit“ im „Untergrund“ auf dem Weg zur Metro. Alkohol kriegt man ausschließlich in einschlägigen „Liquor Stores“, Joghurt gibt´s im Tetrapack!

Ausflugstipps: 

Zur Insel Suomenlinna, 15 Minuten mit der Fähre. Man kann per Fähre auch nach Stockholm oder Talinn schuckeln. Für Metro und Straßenbahn sollte man sich unbedingt Tickets kaufen, denn die Kontrolleure sind überall. Achtung: Die Tickets gelten nur eine Stunde! Und die Strafen fürs Schwarzfahren sind happig!

Sprache:

Finnisch spricht man bestimmt besser, wenn man nicht mehr ganz nüchtern ist. Das legen zumindest einige Wörter nahe. Die Zahlen klingen eh schon so wie Schluckauf: „Hick-si, kaksi, kolme“ steht zum Beispiel für „eins, zwei, drei“. Auch sehr schön: „Rautatieasema“ (Bahnhof) oder „kaksikymmätäneljä“ - das ist der Durchschnittspreis von einem Bier (24 Finnmark).

Gesprochen wird Finnisch im Prinzip so, wie es geschrieben ist. Nur sagt das trotzdem nichts über die Betonung aus. Die ist - für deutsch Sprechende ungewohnt - meistens auf der ersten Silbe: also nicht walTAri sondern WALtari, nicht noSTUri sondern NOsturi. Got it? Das „ä“ klingt so ähnlich wie...na ja, stell dir vor, du hast ein Stück heiße Kartoffel auf der Zunge...

Einige nützliche Phrasen:

Yksi olut - ein Bier.
Wenn man in Gesellschaft ist:
Kaksi olut - zwei Bier.
Oder Kolme olut - drei Bier.
Bei größeren Gruppen isses sicher billiger, im Liquor Store einen Kasten Bier kaufen zu gehen...

Ja - Kyllä, Joo

Nein - Ei

Bitte - Ole Hyvä

Danke - Kiitos

Hallo - Terve

Wie geht´s? - Mitä Kuuluu

Entschuldigung - Anteeksi

Prost! - Kippis!

Ich weiß nicht - En Tiedä

Hilfäh! - Apua!

Restaurant - Ravintola

Viini steht übrigens nicht nur für Wein, sondern allgemein für „Gesäuf“

Andere Formulierungen drücken Unmut aus:

Pöllöppää! - wörtlich „Uhukopf“: Trottel

Painu vittun kusipää! - Verpiss dich, du Wixer!

Idiottii! - is klar, oder?

Vittu perkele sataana - okay, vittu ist so universell wie „fuck“, beschreibt aber vorwiegend das weibliche Geschlechtsorgan, Perkele = Teufel, und Sataana muss man wohl auch nicht übersetzen...

Haista paska - du stinkst (wie) Scheiße

Paska - Scheiße

Das sollte für den Anfang reichen! Und ehe ihr an dieser Sprache verzweifelt: Mit Englisch kommt man wunderbar durch. Also keine Bange...und viel Spaß in Finnland!

Heippä! Ytevaltalainen!                  




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