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Yeah! Finnland bei
minus 26 Grad!
Hicksi,
kaksi, kolme!
von Klaudia Weber

Nicht erst seit den Charterfolgen von Stratovarius,
Nightwish oder HIM erfreut sich die finnische Kultur unter Metallern
und
Rock´n´Rollern unterschiedlichster Couleur höchster Beliebtheit.
Abgesehen
davon, dass in der typisch nordischen Sauna mächtig viele
pangalaktische
Donnergurgler gesoffen werden, erfährt man allerdings wenig über Land
und
Leute. Diese Bildungslücke wird hiermit geschlossen. Wer noch nie Wodka
mit
Teer abgekippt oder Peitschen-Sex mit einem Rentier hatte, sollte
unbedingt
weiterlesen:
Ihr wollt Finnland-Travel-Tips
- objektiv, informativ,
kulturell hochwertig, ernsthaft und intelligent? Dann seid ihr hier
falsch. Die
gibt´s unter www.scandinavian.net oder
www.helsinki.net oder www.oulutourism.fi. HIER erwartet euch der ALTERNATIVE
Finnland-Führer mit einer kleinen Vorstellung kultureller
Highlights in den Metropolen Oulu und Hel(l)sinki.
Extradicke
Scheibenwischer
Was ich an Finnland so toll finde? Unter anderem,
dass man
die Männer gleich als das bezeichnet, was sie sind. Nämlich „Mies“.
„Frau“
heißt übrigens „Nainen“. (Ja, ich weiß - weil die immer nein sagen.
Wieher!
Zufrieden?)
Ansonsten kennt die finnische Sprache keine
„Geschlechter“
und daher auch keine Diskriminierung. Bloß haben die nicht nur vier,
sondern
gleich 15 (!) Fälle. Zur Sprache kommen wir dann etwas später.
Zunächst muss festgehalten werden, dass Finnland
tatsächlich
allen Klischees entspricht. Die Gegend sieht genauso aus wie auf
kitschigen
Postkarten - flach, Wald, Seen, dazwischen ein paar Blockhäuser, im
Winter tief
verschneit. Irgendwann fühlt man sich wie im Flugzeug, weil außer
„weißem
Formenspiel“ eigentlich nix zu sehen ist. Aber keine Sorge: Im Winter
isses
maximal vier Stunden „hell“. „Tageslicht“ kann man das ja eher nicht
nennen -
die Sonne kommt nicht über den Horizont, der Mond auch nicht. The land
of
darkness - ein Paradies für Nachtschwärmer und alle, die es werden
wollen.
Nun gut: Ehrlich gesagt habe ich von Finnland ja nur
die
Gegend entlang der Bahnstrecke Helsinki-Oulu zu sehen gekriegt (IC 9,5
Stunden,
ansonsten bis zu 13 Stunden Fahrt). Bloß fährt man da immerhin auch
durch die
Großstadt Tampere, und abgesehen von Turku an der Westküste ist´s auch
schon
Essig mit großen Städten. Laut Landkarte gibt´s im Osten ja eh
hauptsächlich
Wasser, kaum noch Straßen oder Siedlungen, und alles nördlich von Oulu
zählt
schon zur Polarregion. Dort sagen bestenfalls die Lappen ihren
Rentieren gute
Nacht. Oder kratzen sie vonner Lok. Solche Unfälle sollen öfters
vorkommen.
Deswegen haben die finnischen Loks extradicke Scheibenwischer.
Nächstes Klischee: Es ist saukalt. Stimmt. Zumindest
im
Winter. Dabei sind die Temperaturen in Helsinki eher gemäßigt (was für
Weicheier...), also einem hiesigen Winter entsprechend. Nur in der
Hafengegend
oder Richtung Norden, wo der Wind so schön durch die nach US-Vorbild
phantasievoll geometrisch angelegten Straßen pfeift, empfindet man
läppische
minus fünf Grad Celsius schon als äußerst unangenehm.
Echte HeroInnen sollten sich nach Oulu aufmachen:
Dort
herrschen minus 26 Grad! Da gefriert die Atemluft auf dem Weg zur
Lunge. Schnee
gips auch in Massen. Schleudernde Autos zählen zum normalen
Straßenbild. Trotz
50 Zentimetern Schneehöhe sind die Eigeborenen seltsamerweise auch auf
Fahrrädern unterwegs.
Und wie isses mit der Sauna? Nun ja, in der Tat
gibt´s eine
in jedem Haus, in jedem Hotel, und man kann auch (gemischte)
öffentliche dieser
Folterkästen besuchen.
Kultur
Oulu: Universitätsstadt, nette Einkaufsstraßen,
Museen und
Freilichtmuseum, Wissenschaftszentrum, Kirchen, Galerien,
Archäologisches
Aktivzentrum, botanischer Garten, Plattendealer... Dieselben
Architekten, die
in Russland früher Atomkraftwerke gebaut haben, gestalteten übrigens
auch das
örtliche Theater - mit Abstand das hässlichste der Welt - und die
Bibliothek.
Modern, schlicht, funktional im unaufdringlichen Betonbunker-Styling.
Alle
Achtung.
Außerdem gibt es an jeder Ecke Karaoke-Bars und
regelmäßig
Tango-Tanzabende. Ja, die Finnen sind vom Tango besessen! Zugegeben,
der
Tanzstil der Nordländer sieht etwas anders aus als der der
Argentinier...
Scheinbar ist Oulu auch ein guter Boden für
Metal-Bands,
denn außer Sentenced und The Black League sind hier noch Afterworld,
Agnus Dei,
Black Swan, Catamenia, Embraze, Legenda, Myon, Quietus, Plan E und
Terveet
Kädet beheimatet. Angeblich auch Impaled Nazarene, die sich
mittlerweile aber
in Helsinki angesiedelt haben.
Kulturelles Highlight: Hier haben im letzten Sommer
die
ich-weiß-nicht-wie-vielen internationalen Weltmeisterschaften im
Luftgitarrespielen stattgefunden. Das Spektakel wird sogar stolz im
Tourismus-Prospekt beworben, gleich nach der „Knoblauchnacht“: „Oulu
Music
Video Festival 23.-26.8.01 Stadtfestival des beweglichen Bildes - Kino,
Videos,
Luft & Gitarren.“ Mehr Infos kriegt ihr unter www.omvf.net.
Gewonnen hat
beim letzten Mal ein Brite. Über luftgetriebene Gitarren informiert
übrigens
auch www.mirrorimage.com/air/index.html.
Camping
„Camping at the seaside“ ist nur im Sommer
empfehlenswert;
im Winter isses zwar leichter, einen Parkplatz zu kriegen, aber bei
fast minus
30 Grad doch etwas mühsam, ein Loch in den Bottnischen Meerbusen zu
hacken.
Seltsames Gefühl, ein bis zum Horizont zugefrorenes Meer zu sehen.
Angeblich
kann man auf der Eisdecke sogar Wander- und Motorschlitten-Touren
unternehmen
bzw. mit dem Auto nach Schweden fahren.
Sport
Sport ist in Finnland so eine Sache. Im Grunde
genommen -
betonen manche Einheimische - hat nämlich sogar Saufen einen gewissen
sportlichen Charakter. Allerdings nicht Leistungs-Marathontrinken wie
bei uns,
eher „Kampftrinken“ im engsten Sinne, d.h. möglichst schnell möglichst
viel.
Anscheinend gibt es richtige Trainingslager, denn am Bahnhof in
Helsinki fiel
mir ein junger Mann auf, der bis auf eine Palette Bier kaum Reisegepäck
hatte.
Telefonieren scheint in Finnland nur was für
Tüftler,
Mathematiker oder Chaostheoretiker zu sein. Es gibt verschiedene
Handynetze,
einige lassen keine Auslandsverbindungen zu, was man aber nicht wissen
kann,
wenn´s einem kein Einheimischer erklärt. Aber auch wenn man´s kann, isses nicht so einfach, denn
Telefonkarten lassen sich nicht grundsätzlich in allen Telefonzellen
benutzen.
Da muss man jene der Kartenfirma (z.B. Sonera) suchen gehen - bei
Minusgraden
in der Finsternis und nur mit rudimentärem Stadtplan bewaffnet, kriegt
das
Ganze einen gewissen sportlichen Charakter (Orientierungslauf).
Klar, dass die nordischen Sportarten einen anderen
Stellenwert haben als bei uns. Es dürfte schwer sein, Zeitgenossen in
Göttingen, Nizza oder Kairo bei der TV-Übertragung einer
Ski-Langlauf-Veranstaltung ähnlich crazy ausflippen zu sehen.
Möglicherweise
gibt es auch Fanatiker, die das berühmte Oulu-Marathon-Eislochangeln
(über 48
Stunden) live per TV verfolgen. Who knows?
Sex
Sex soll nur im Sommer stattfinden. Wann und vor
allem wie
die Finnen denn nun...ahem...habe ich bedauerlicherweise nicht
erforschen
können. Einige Bandmitglieder von Finntroll haben auf ihrer Bandpage
„poromies“
als ihre Lieblings-Sex-Stellung angegeben. Sehr interessant, denn poro
=
Rentier, mies = Mann, wie bereits angemerkt. Gitarrist Somnium
behauptete, das
hätte nichts mit Tieren zu tun, weigerte sich aber standhaft, diese
Position zu
erklären. „Lass deine Fantasie spielen“, meinte er. Das war ein Fehler.
Meine
Fantasie entwarf mittlerweile Liebesspielchen, bei denen ein Schlitten,
Glöckchen, eine rote Nase sowie ein peitschenschwingender, beleibter
Mies mit
langem weißen Bart eine Rolle spielen... Wer andere Vorschläge hat: Ruf
- mich
- an! (bzw. mail me...)
Drogen
Blöd an Finnland ist, dass man erst ab 18 Alkohol
trinken
darf. Wieso isses blöd? Weil man unter 18 auch nicht in einschlägige
Clubs rein
darf, auch wenn man gar nicht saufen, sondern nur seine Lieblingsband
ansehen
will. Logo, dass sich die Jugend aus Verzweiflung ganz anderes Zeug
einwirft.
Salmiakki zum Beispiel. Bei uns ist dieses Zeug in der wesentlich
entschärfteren Fassung als „Lakritzbonbon“ zu haben. Original-Salmiakki
hat
damit aber nicht viel gemein - das finnische Wort beschreibt in etwa
Geschmack
und Wirkung der relativ großen, harten und ziemlich salzigen
dunkelbraun bis
schwarzen Würfel. Massiver Konsum von Salmiakki-Bonbons soll sogar
gesundheitsschädlich sein. Für unsereins besteht eh keine Gefahr, denn
mehr als
ein oder zwei Stück hält der Magen nicht aus. Manche Kandidaten
packen´s nicht
mal zehn Sekunden. Salmiakki gibt´s auch als Likör. Und der ist ebenso
gewöhnungsbedürftig wie eine weitere Spezialität aus Oulu: Terva. Das
ist Wodka
mit Teer. Yeah. Richtig. Teer. Das, was bei Rauchern in der Lunge ist.
Was
Leute aufs Dach oder zum Kalfatern zwischen die Planken von
Bootsrümpfen
kleistern oder auf die Straße schmieren. Anti-Alkoholiker, aufgepasst:
Es gibt
auch Eiscreme mit Terva-Geschmack!
Schlimmer als Terva und Salmiakki zusammen ist nur
noch
Absinth - trink fünf, und du bist blind. Schmeckt wie 99-prozentiger
Alkohol,
daher ist dringend davon abzuraten, unmittelbar nach dem Genuss eine
Zigarette
anzuzünden.
Apropos Qualm: Rauchverbote gibt es nirgends, aber
in
einigen Clubs darf man diesem Laster nicht direkt an der Theke frönen.
Etwas
unlogisch, besonders in Kneipen, die nicht größer sind als ein
Schuhkarton. Ein
freundlicher Barkeeper hat mir auch dringend von Erwerb & Genuss
einheimischer
Billigmarken abgeraten. Das muss echt starker Tobak sein. Wer weiß, wo
und wie
Terva für den Drink gewonnen wird... Argh!
Ein Tip: Weil auch Zigaretten, besonders in Clubs,
eher
teuer sind, sollte man sich diese in einem „Kioski“ - wo es auch
Zeitungen,
Snacks und Souvenirs gibt - oder im Supermarkt besorgen.
Rock´n´Roll in
Oulu
Rock´n´Roll-Animals werden am „Woodoo Club“ (in der Nähe des
Bahnhofs) oder an „Lentävä Lautanen“ („Fliegende Untertasse“) ihre
Freude
haben. Zumal auch die Leute dort - vom Barkeeper bis zum Besitzer -
echt coole
und hilfsbereite Leutchen sind. Das finnische „Perkele“-Magazin
empfiehlt zudem
„45 Special“ (Saaristonkatu 12). Sound ist okay, die Klientel cool, die
Preise
gemäßigt. Kurz vor Weihnachten 2001 haben Children Of Bodom den
allerersten Gig
ihrer „Follow the Reaper“-Tour im Woodoo gespielt. Am Tag zuvor gab´s
an
gleicher Stelle übrigens einen Tango-Abend...
Hellsinki
Ich weiß, das schreibt man anders. Und angeblich
gehören
Espoo und Vantaa auch offiziell gar nicht dazu. Nur laut Stadtplan -
den man
sich gleich organisieren sollte; am Bahnhof, im Hotel oder am Flughafen
gips
die eh gratis! - sieht es wie eine einzige riesige Stadt aus. Die
Innenstadt,
also die Gegend um Bahnhof und Hafen, ist aber fußgängerfreundlich an
jeder
Ecke mit coolen Kneipen, Shops und Restaurants ausgestattet.
Trinken
Der Kaffee ist im Prinzip ungefähr so furchtbar wie
in den
USA. Bis auf den im Wayne´s Coffee (Kaisaniemenkatu
3). Da kriegt man wenigstens auch ´ne anständige
Portion.
Dieses Gebräu ist relativ billig (in der Fliegenden Untertasse in Oulu
sogar
gratis!). Bier leider nicht, im Molly Malone´s gleich daneben werden
Preise
verlangt, die scheinbar auf dem Mond ausgeheckt wurden. Legenda, Lapin
Kulta
und Koff sind die gängigsten Marken und ganz empfehlenswert.
Bei vielen Clubs ist der Eintritt getarnt als
Garderobengebühr,
und man hat nicht den Eindruck, dass man groß die Wahl hätte, nicht zu
bezahlen
und sein Zeug mitzunehmen...denn Security ist überall stark vertreten -
im
Einheitslook „Skinhead-Bodybuilder mit Funk im Ohr und schwarzem Anzug“.
Clubs
Folgende Lokalitäten sollte man sich unbedingt
reinziehen:
„Tavastia“ (Urho Kekkosen katu 4-6 B) - ein Muss! No more to say!
„Ilves“ (heißt übrigens Luchs) liegt gleich neben
dem „Tavastia“;
dort kann man auch außerhalb von Konzertterminen einige MusikerInnen
treffen.
Im TV laufen US-Serien im Originalton.
„Jump Inn“ (Fredrikinkatu) - die
Indie/Skater/Alternative-Kneipe, wo auch Moon TV übertragen wird.
„Soda“ (Annankatu) - „Rundumverglasung“, man fühlt
sich also
wie inner Auslage. Meistens ziemlich voll.
„Cafe Pravda“ (Eteläesplanadi) - genial! Schlicht,
sachlich,
russisch - erweckt nostalgische Gefühle, genau wie das Theater in Oulu!
„Corona Bar“ (Eerikinkatu 11) - ein
Künstler-Szene-Treff mit
Kino gleich nebenan. Kultig, denn schon um 20 Uhr fiel einer, der eher
nach
Yuppie aussah, völlig blau vom Thekenhocker...
„Rock Cafe Maestro“ (Fredrikinkatu 51-53) - cool,
gut
sortierte Metal-Music-Box, und das Bier ist billiger als in anderen
Clubs.
„Factory“ (Siltasaarenkatu, gleich am Busbahnhof
über die
Brücke Richtung Kallio) - cooles Ambiente, große Portionen!
„Corner Bar“ (Nervanderinkatu) - yeah! Keine
„Garderobengebühr“, rustikale Einrichtung, knorke Music-Box, man trifft
coole
Leute (u.a. den Sänger von Barathrum, der seitdem angeblich in dieser
Kneipe
Lokalverbot hat), und das Bier ist billig.
„Liekki Bar“ (Annankatu) - klein, aber schräg!
Hauptsächlich
Alternative-Sound.
„Cafe Labyrinth“ (Fredrikinkatu) - „klassischer“
Rock und freundliches,
ausgesprochen hübsches Personal.
„Nosturi“ (Telakkakatu 8, etwas weiter draußen, am
Hafen,
aber zu Fuß ganz gut zu erreichen) - angeblich das Black
Metal/Goth-Mekka. Eine
Riesenarena! Dort sind auch die Proberäume diverser Acts untergebracht
(Waltari,
The 69 Eyes, Apocalyptica, Children of Bodom, HIM, Sinergy...)
„Poppis“ (Keskuskatu 6) - in der Passage des
Einkaufszentrums-Komplexes. Hat bis drei Uhr offen!
„Aladdin“ (gleich daneben) - hat bis vier Uhr offen.
Pfoten
weg von seltsamen Crush-Eis-Wodka-Lemon-Getränken! Schrecklich sauer!
Die
Mischungen erzeugen akute Haarwurzelkrämpfe.
„Manala“ (Dagmarinkatu 2) - Studentenkneipe,
freundliche
Bedienung, getrennt in Fress/Saufbereich, im Keller rumpeln Live-Acts.
„Tse Tse Club“ (Eerininkatu 27) -
Alternative-Musikladen mit
integrierter Sauna-Bar. Check it out!
„Cafe Ursula“ (Ehrenströmintie, im Kaivopuisto Park)
-
bietet Blick aufs Meer. Dazu gibt´s jede Menge abgefahrener Gay-Bars
jenseits
der Brücke (Richtung Kallio).
„Lost & Found“ (Annankatu 6) - sehr beliebt,
weil länger
offen als andere Clubs (bis vier Uhr). Kann aber passieren, dass die
Frauen in
dem Schuppen alle irgendwie nicht ganz echt sind. Ein Tip - vorm
Abhotten auf
der Tanzfläche sollte man die Zigarettenschachtel anketten und
keinesfalls zehn
Jahre alte kultige „Morgoth“-Sweater am Tisch liegen lassen - wer immer
das
Teil nun hat: Pöllöppää! Painu vittun kusipää! Idiottii! Vittu perkele
sataana!
Die in pain!
Mampf
Essen kann man überall ganz gut. Es gibt kaum
lukullische
Überraschungen. Na ja - bis auf die Mandarinen im Salat. Im
Hotel-Info-Telefonbuch findet man u.a. zahlreiche Gutscheine für Pizza
und
ähnliches Zeug. Kann man plündern!
Toasts sind gut und billig in der „Corner Bar“ oder
bei
„Ilves“, Pommes im „Factory“. Schwedische Fleischbällchen sind lecker!
Ich hab
auch noch nie so viel Lachs (so billig) gegessen - als Eintopf oder
geräuchert,
und mit Heringsröllchen & Essiggurken zum Frühstück. Yeah, das ist
in
Hotels, wo die Fahrstuhltüren aussehen wie die von Kühlschränken,
absolut
üblich. Die Leute haben ein Herz für Party People, äh, Sportler!
Lukullische
Tempel:
„Zetor“ (Mannerheimintje 3-5) - Traktoren,
Heuballen,
Leningrad Cowboys: Die Speisekarte wird freiwillig als Souvenir
mitgegeben,
weil sie wahrscheinlich eh immer geklaut wird. Hier gibt´s auch die
Terva-Eiscreme.
„Leningrad Cowboys Restaurant“ (Uudenmaankatu 16-20,
beim
„Soda“-Club um die Ecke) - Essen hervorragend, Atmosphäre einzigartig,
und
Leningrad-Cowboys-Bier gips auch! Und wo kann man sonst beim Essen
AC/DC,
Elvis, HIM etc. hören?
„Lapland Restaurant“ (Annankatu 22) - exzellent,
natürlich
etwas teurer. Aber es zahlt sich aus! Rentier schmeckt wirklich nicht
übel!
Ein Muss, weil angeblich so schlecht: „Rubbish Bank“
(=
Roskapankki) in Kallio und „Pasin Kulma“ (Pasi´s Corner) in Alppila.
Dieser Tip
kommt - konsequenterweise - vom Präsidenten der Finnischen Gesellschaft
für
Schlechte Literatur, Risto K. Järvinen.
Musik
Die Live-Szene spielt sich in den Clubs „Tavastia“,
„Nosturi“, „Factory“ oder „Manala“ ab - aber da sind ja noch soooo
viele
andere; um die Ecke vom „Manala“ findet sich z.B. ein Jazz-Club, im
„Molly
Malone´s“ spielen irische Acts auf. Empfehlenswert ist auch der
„Kerma“-Club
(Erottaja 7). Ansonsten ist das Angebot einfach unüberschaubar. Man
sollte sich
auf alle Fälle einschlägige Flyer und einen Stadtführer organisieren
(gibt´s
gratis in Englisch und Deutsch im Hotel, am Bahnhof, in Kneipen). Dort
stehen
massenhaft Events drin.
Proberäume von Nachwuchsbands (z.B. Spiha) findet
man in der
alten Kabelfabrik: Mit der Tram Nummer 8 oder der Metro zur Endstation
Ruoholahti und dann noch knapp fünf Minuten laufen.
Tee-Vau
Unbedingt anchecken: Jyrki, der finnische MTV-Sender
(Mannerheimintie 22-24, nahe „Tavastia“). Der ist nämlich öffentlich im
wahrsten
Sinn des Wortes: TV im Glaskasten live für die Leute, direkt am
Busbahnhof! Wie
Radio Mafia oder Moon TV leider auschließlich in Finnisch... Wenn man
Glück
hat, sind dort gerade Bands zu Gast. Allerdings ist es mit einigem
Glück gut
möglich, diversen Bands „ganz zufällig“ in diversen Clubs über den Weg
zu
rennen. „Tavastia“ und „Lost & Found“ sind Lieblingsclubs von HIM,
in
„Ilves“, „Soda“ oder „Liekki“ sind The 69 Eyes öfters anzutreffen,
ebenso Nenne
von Spiha, Jimsonweed trinken ihren Schnaps öfters in der „Corner Bar“,
Amorphis-Sande mag die „Factory“, wo auch Juhana Rantala, der
Ex-HIM-Drummer,
mit seiner neuen Band auftritt und Nenne mal Koch war. Der Taxifahrer,
der mich
zum Flughafen kutschierte, entpuppte sich als Schulfreund von Mikko
Paananen,
dem HIM-Basser („Mige Amour“), er hat mit ihm sogar in ´ner Schülerband
gejammt. Wie gesagt, die Szene in Helsinki ist klein...
Ganz wichtig ist auch der „Soine“-CD-Laden nahe der
„Corner
Bar“ (Frederikinkatu 71): die Zentrale von Spinefarm/Spikefarm und dem
Perkele-Magazin!
Einkaufen...
...kann man gut in Kallio. Hier gibt´s viele
sogenannte
„UFF-Shops“, also Second-hand-Läden. Auch in der Nähe vom Bahnhof in
der
Underground-Passage sind einige Schnäppchen zu machen, dazu findet man
allerlei
UFFs in den Fußgängerzonen. Tja, und die sind eh rund um das
Bahnhofsgelände zu
finden - Mannerheimingenkatu, Annankatu und alle Seitenstraßen. Coole
Designer-Läden und Tattoo-Shops findet man in der Annankatu, Helsinkis
einzigen
Comic-Laden „Fantasiapelit“ im „Untergrund“ auf dem Weg zur Metro.
Alkohol
kriegt man ausschließlich in einschlägigen „Liquor Stores“, Joghurt
gibt´s im
Tetrapack!
Ausflugstipps:
Zur Insel Suomenlinna, 15 Minuten mit der Fähre. Man
kann
per Fähre auch nach Stockholm oder Talinn schuckeln. Für Metro und
Straßenbahn
sollte man sich unbedingt Tickets kaufen, denn die Kontrolleure sind
überall.
Achtung: Die Tickets gelten nur eine Stunde! Und die Strafen fürs
Schwarzfahren
sind happig!
Sprache:
Finnisch spricht man bestimmt besser, wenn man nicht
mehr
ganz nüchtern ist. Das legen zumindest einige Wörter nahe. Die Zahlen
klingen
eh schon so wie Schluckauf: „Hick-si, kaksi, kolme“ steht zum Beispiel
für
„eins, zwei, drei“. Auch sehr schön: „Rautatieasema“ (Bahnhof) oder
„kaksikymmätäneljä“ - das ist der Durchschnittspreis von einem Bier (24
Finnmark).
Gesprochen wird Finnisch im Prinzip so, wie es
geschrieben
ist. Nur sagt das trotzdem nichts über die Betonung aus. Die ist - für
deutsch
Sprechende ungewohnt - meistens auf der ersten Silbe: also nicht
walTAri
sondern WALtari, nicht noSTUri sondern NOsturi. Got it? Das „ä“ klingt
so
ähnlich wie...na ja, stell dir vor, du hast ein Stück heiße Kartoffel
auf der
Zunge...
Einige
nützliche Phrasen:
Yksi olut -
ein Bier.
Wenn man in Gesellschaft ist:
Kaksi
olut - zwei Bier.
Oder Kolme olut - drei Bier.
Bei größeren Gruppen isses
sicher billiger, im Liquor Store einen Kasten Bier kaufen zu gehen...
Ja - Kyllä,
Joo
Nein - Ei
Bitte - Ole
Hyvä
Danke -
Kiitos
Hallo - Terve
Wie geht´s?
- Mitä Kuuluu
Entschuldigung
- Anteeksi
Prost! -
Kippis!
Ich weiß nicht
- En Tiedä
Hilfäh! -
Apua!
Restaurant -
Ravintola
Viini steht
übrigens nicht nur für Wein, sondern allgemein
für „Gesäuf“
Andere Formulierungen drücken Unmut aus:
Pöllöppää! -
wörtlich „Uhukopf“: Trottel
Painu vittun
kusipää! - Verpiss dich, du Wixer!
Idiottii! -
is klar, oder?
Vittu perkele
sataana - okay, vittu ist so universell wie
„fuck“, beschreibt aber vorwiegend das weibliche Geschlechtsorgan,
Perkele =
Teufel, und Sataana muss man wohl auch nicht übersetzen...
Haista paska
- du stinkst (wie) Scheiße
Paska -
Scheiße
Das sollte für den Anfang reichen! Und ehe ihr an
dieser
Sprache verzweifelt: Mit Englisch kommt man wunderbar durch. Also keine
Bange...und viel Spaß in Finnland!
Heippä! Ytevaltalainen!
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