Yeah: Finnland bei 36 Grad im Schatten:

Feueralarm in Oulu

von Klaudia Weber

Angeblich kann man in Finnland nur ficken und fischen, im Winter gar nur letzteres. Das behauptete zumindest Hape Kerkeling (als Fake-Frontman der finnischen HipHop-Band "Ripuli" = Durchfall). Ein Grund mehr, sich den hohen Norden auch mal im Sommer reinzuziehen, ahem. 
Und um es vorwegzunehmen: Fischen kann man hier tatsächlich immer und überall...im Winter gips sogar Marathon-Eisangeln.
In Sachen Zwischenmenschlichkeit scheinen männliche bzw. lesbische Single-Touristen im Vorteil zu sein, denn laut Reiseführerin Anja gibt es drei Dinge in Finnland reichlich: Wald, Granit und Frauen.

OULU

Mein letzter Besuch bei kuscheligen minus 26 Grad ließ nicht so recht erwarten, dass man in dieser Gegend auch Sonnenbrände abkriegen könnte. Auch wenn man das Phänomen Mitternachtssonne (= die geht überhaupt nie unter) nur Mitte Juli in Lappland genießen kann, gehen einem die ungewöhnlich hellen & kurzen Sommernächte hier ebenso auf den Wecker. Nix für Vampire!

Die 120.000-Einwohner-Stadt präsentiert sich im Sommer als idyllisches Badeparadies mit geräumigen Sandstränden (Nallikari) und urgemütlich rustikaler Innenstadt. Für finnische Verhältnisse eine Großstadt, ist Oulu jedoch ebenso wie Helsinki locker zu Fuß erkundbar. Würde ich angesichts der unverschämten Taxipreise auch dringend nahelegen.

Für "Lavatanssi" sei ebenfalls gutes Schuhwerk empfohlen, obwohl "Lava" hier für "Tanzboden, Bühne" steht. Natürlich ist hauptsächlich Tango – mit Live-Orchester! - angesagt; und entgegen M. A. Numminens Theorie, Finnen beherrschten nur das rhythmische Dahinstapfen (aus seinem Buch "Tango ist meine Leidenschaft"), wirbeln viele Paare in argentinischer Manier elegant übers Parkett.

Übrigens scheinen sich höherer Pegelstand am Barometer und noch dazu im Blut positiv auf die Alternative zum Nationalhobby Fischen auszuwirken. Von wegen stille und schüchterne Finnen - egal wann und wo, als Single-Frau erlebt man keinen Tag ohne angebaggert zu werden. Also fast wie zu Hause. Persönliche Bestmarke: gleich vier an einem einzigen Abend im "Club 45", einen davon bekam ich nur mit freundlicher Unterstützung des Türstehers im wahrsten Sinn des Wortes vom Hals ...

Dummerweise bleibt die von Finntroll empfohlene Sexstellung „poromies“ (poro=Rentier, mies=Mann) weiterhin ein Mysterium; auch Ville Laihiala von Sentenced kennt die nicht. Äh, Moment mal, hüstel, SOOO hab ich das jetzt nicht gemeint, ahem...

Denn mit einem Finnen doch nicht fischen zu gehen, könnte problematisch werden. „Jaaaa, jaaa, ich komme, ich komme“ würde sich wie „kyllä kyllä tulen tulen“ anhören. Da geht mir doch jegliche Libido flöten.

Nicht nur aufgrund der Temperaturen und Himmelsphänomene sollte man einen Trip in den hohen Norden für August einplanen - da steigt in Oulu nämlich auch das Film- und Videofestival inklusive Luftgitarren-WM. Das örtliche Jugend- und Kulturzentrum verwandelt sich in eine Kreuzung aus 24-Stunden-Kintopp, Disco, Computerspielhölle und Kult-Bar (Hallituskatu 7). Dutzende von freiwilligen HelferInnen der örtlichen Schule für Medien und Kunst sorgen für Ausstattung, Dekorationen, Licht,Tontechnik und Betreuung ... und wohl auch für die Programmauswahl. Wo sonst könnte man sich neben hippen Movies Dokus über HipHop, Motörhead-Lemmy und Nina Hagen oder 150 Musikvideos mit deftiger Metal-Schlagseite reinziehen? Im Rahmenprogramm laufen jede Menge Gigs, in den einschlägigen Clubs oder open air mitten im Zentrum: Zen Cafe ließ Oulu beispielsweise bis weit nach Mitternacht erbeben. Die hörte man fast bis ins zwoeinhalb Kilometer entfernte Nallikari. Angeblich stößt sich trotzdem kein Post-Teenie in Oulu daran. Tja, Finnland ist anders!

In Finnland fangen viele schöne Dinge mit R an: 

Rakkaus – Liebe
Raha – Geld
Ravintola - Gasthaus

Wer sich über die Bezeichnung "Ravintola" bei diversen Rock-Clubs und Bars wundert - abends gips da bestenfalls Toast & Chips zu futtern -, sollte selbige mal tagsüber, zwischen zwölf und 15 Uhr, aufsuchen. Da verwandeln sich die kultigsten Nachtclubs in seriöse Lunch-Tempel, wo sogar striktes Rauchverbot herrscht. Ein Tip: Sonntags ist der Besuch im "Club 45 Special" (Saaristonkatu 12) gratis, und im Keller gips dann open jam session – d.h. jede/r eines Instruments Mächtige kann mit anderen MusikerInnen jammen. Als Bonus für jeden Bühnenauftritt winkt ein Freigetränk. Kein Wunder, dass man/frau sich um alles, was Lärm macht, beinahe prügelt.

Die finnischen Karaoke-Bars sind nicht so schlimm wie befürchtet, denn hier nimmt man öffentliches Singen tatsächlich ernst und liefert professionelle Vorträge ab. Schnarch. Da müssen schon österreichische Luftgitarrenteams ran, um mit kreativen ABBA- und Baccara-Neuinterpretationen für fassungslose Gesichter zu sorgen.

Übrigens müssen in der sechstgrößten Stadt Finnlands nicht nur Luftgitarristen, sondern auch Sternsinger in einem Wettbewerb bestehen.

Oulu glänzt überhaupt mit originellen Veranstaltungen: Das "Festival der hässlichen Skulpturen" harrt einer Wiederholung; bereits Tradition zu Sommerende ist das "Werfen des kalten Steins" am Jaako-Tag (25.7.). Ein richtiges Familienfest, in dessen Verlauf man angeblich tatsächlich (vorher im Eisschrank gekühlte?) Kiesel in den Oulu-Fluss pfeffert. Denn ein Steinwurf des legendären Jakob (Jaako) ist ja dafür verantwortlich, dass das Meer zu dieser Zeit kühler wird...

Neben der Knoblauchnacht (Mitte Juli) stehen Tervajazz (Teer-Jazz), Teerrudern und Teerlanglauf hoch im Kurs – nämlich entlang historischer Teer-Handelswege, auf See oder am Land auf bestimmten Loipen. Dieser Teer wird übrigens aus Holzharzen gewonnen und ist auch als nicht-alkoholischer Sirup erhältlich, die daraus erzeugten Bonbons schmecken gar nicht so übel. Wie man daraus den berühmt-berüchtigten Terva-Snapsi braut, erfährt man dann wohl ganz genau bei den Teerbrennwochen...

Apropos brennen: Wie der freundliche Herr in der Tourist-Infostelle in perfektem Deutsch versicherte, gibt es in Oulu keinerlei Slums, "weil es bisher noch jede Generation geschafft hat, die Stadt bis auf die Grundmauern niederzubrennen." Zündeln ist in Zeiten von Stahlbeton etwas schwieriger geworden, jedoch besitzen die meisten Häuser schon traditionell – ob nun aus Holz oder nicht – sehr dekorative Feuerleitern an den Außenwänden. Wenn es nicht gerade brennt, kann sich der Efeu dran festklammern.

Die Bibliothek (Kaarlenväylä 3) ist auch im Sommer ein sehr frequentierter Ort mit Kaffeehausatmosphäre: Gratis-Internet  & diverses Schreibgerät zur freien Verfügung, CD-Archiv (natürlich auch schwermetallisch getränkt) vereint Alt und Jung; und in den erlauchten Lese-Hallen findet sich selbstverständlich sogar das MAD-Magazin zur Weiterbildung.

Shopping-Tip: Unbedingt die zahlreichen Second-Hand-Läden abgrasen; im „Antiquariat“ (Isokatu 36) kriegt man nicht nur alte Schinken, sondern auch brandneue CDs oder Metal-Merchandising zu Spottpreisen.  

Helsinki

Hat zirka 500.000 Einwohner, also ein Zehntel der Gesamtbevölkerung Finnlands. Was auffällt, sind allgegenwärtige zweisprachige Aufschriften - Stadtpläne, jedes einzelne Straßenschild, sogar die Mistkübel sind in finnisch und schwedisch beschriftet. Und das, obwohl es nur rund 3 Prozent Schwedischsprachige in ganz Finnland gibt. Das ist für uns aus Österreich, wo die Landeschefs sogar Verfassungsgerichtsbeschlüsse mit allen Tricks umgehen, um ja nicht zweisprachige Ortstafeln für den bis zu 20-prozentigen Sprachminderheitenanteil aufstellen zu müssen, ein beschämender Anblick. 

Das ist Helsinki: Beim Shoppen in der Uudenmankatu läuft einem Paavo von Apocalyptica übern Weg und Janne Warmen (Children of Bodom) beim E-Mail-Checken am Bahnhof; der Headbanger neben dir vor der Tavastia-Bühne entpuppt sich als Timo Kotipelto (Stratovarius), beim Lunch trifft man Linde samt Begleitung und den Rest von HIM abends beim Billardspielen...

Kurz - Metalszene-Autisten, strikte Antialkoholiker, Nichtraucher und Veganer sollten sich lieber in einer Blockhütte am Nordpol einmieten - oder zumindest die Gesellschaft von Finntroll-Klampfern meiden, ahem...

Nicht nur das Nachtleben ist von Interesse (siehe "Bars & Preise"), tagsüber kriegen Architekturfreaks sicherlich Dauerorgasmen, und man kann keine zehn Minuten latschen, ohne irgendwo irgendwie in einem Park, an einem See oder Küstenstreifen zu landen. Postkartenidyllen-Allergiker sollten sich also ausschließlich an Autobahnen, an Containerhäfen oder den allgegenwärtigen Großbaustellen orientieren. Die schönsten findet man gegenüber dem Tavastia-Clubi, in Kallio, am Bahnhofsgelände oder Aleksanderkatu - hier entsteht übrigens die erste beheizbare (!) Straßenbahnstrecke. Weil man ja Helsinki nicht so leicht niederbrennen kann wie Oulu, muss hier mühsam Stein für Stein abgetragen oder gelegentlich sogar ein bissl weggesprengt werden.

Die finnische Hauptstadt verfügt über 50 Kilometer Küste; da findet man/frau keine fünf Minuten Fußmarsch entfernt von der Hauptverkehrsader Mechelininkatu einen Sandstrand mit - nach dem Jaako-Tag eher theoretischer - Bademöglichkeit vor. Per Bahn, Bus oder Auto hat man innerhalb von 15 Minuten das absolute Finnland-Klischee: viel Wald (70 Prozent der Fläche, davon über die Hälfte in Privatbesitz) und Wasser. Und sonst nicht viel.

Weil man ständig unerwartet über Atemberaubendes stolpern kann, sollte man immer & überall eine Kamera dabei haben. Anderenfalls unbedingt die Gegend um Kaivopuisto nebst Küste, Töölönlahti (Finlandia-Halle), die Inseln Suomenlinna und Seurasaari (Freilichtmuseum!) sowie See, Park und Kirche in Hakaniemi meiden - und bloß nicht vom Kirchenhügel durch die Siltasaarenkatu zum Hafen runtersehen!  

Kriminalität 

Seurasaari wird von fiesen Eichhörnchen-Gangs heimgesucht. Wehe, die nichtsahnenden Museumsbesucher haben nicht sofort was Essbares parat - diese brutalen Bestien stürzen sich sogar auf die Beinkleider, um die Hosentaschen höchstpersönlich zu inspizieren! SCHOCKIEREND! Finnische Hafengegenden werden hingegen von marodierenden Spatzen-Gangs kontrolliert (z. B. Cafe Ursula, Ehrenströmintie Helsinki oder Lentävä Lammas, Sininen Komuuti und Suola-Aitta in Oulu): Brot- oder Kuchenkrümel werden einfach vom Teller oder sogar direkt aus der Hand geklaut! Und dann noch die tieffliegenden Möven mit Ripuli-Anfällen... Warnung - die Eichhörnchen-Mafia unterhält auch noch Stützpunkte in Lenin- und Kaivopuisto! Noch skandalöser die Irreführung, denn in genannten Parks (Park = puisto) ist weit und breit weder Lenin noch ein Brunnen (kaivo) zu sehen. Vergeblich wird man auch in Erottaja nach Erotik suchen; die finnische Version der Reeperbahn ist eher in Kallio zu finden, bzw. in Bars wie Alcatraz (Eerikinkatu 3).

Sehenswürdigkeiten, die man unbehelligt genießen kann, sind z. B. das Kulturzentrum Kaapeli (alte Kabelfabrik, Ruohalahti) oder das Kansallismuseo (Nationalmuseum) - echt multimedia-poppig! Eine Ausstellung befasst sich mit dem Alltagsleben im 20. Jahrhundert (Arbeit, Schule, Klamotten, Entertainment). So sind HIM- und Bomfunk-MCs-CDs schon jetzt zu musealen Ehren gekommen.

Keinesfalls ausgehungert sollte man die zahlreichen Kauppahalli oder Kauppatori (Markthallen/plätze) aufsuchen (z. B. Hakaniemi, Hietalahti, auf der Halbinsel Katajanokka oder am Hafen): drinnen lauern kalorienbombige Fisch- und Rentiergerichte, Gemüse, Obst und Süßes undundund. Eine Kostprobe der sogenannten Multbeeren (Cloudberries, finn. Lakka, wachsen nur in Lappland) sollte man sich keinesfalls entgehen lassen! Nur was für Unerschrockene sind allerdings Terva- oder Salmiakki-Eiskrem - letztere gips auch sehr billig im Supermarkt. Deshalb hab ich mich mal aufs Risiko Salmiakki-Erdbeereis eingelassen - wenn der erste Brechreiz überwunden ist, schmeckt das Zeug gar nicht so übel!

Vorne draußen werden an Wochenenden Flohmärkte abgehalten. In den sogenannten UFF-Shops (z. B.  Frederikinkatu 32, Iso Roobertinkatu) kann man täglich zu Geschäftszeiten in Second-Hand-Ware stöbern.

Moskwa-Bar, Kino Andorra und Corona Bar bilden in Eerinkatu 11 eine Einheit, wo man viele Künstler an der Theke oder beim Pool-Billard antreffen kann. Noch dazu gehört das alles dem renommierten Regisseur-Brüderpaar Aki und Mika Kaurismäki (u.a. beide „Leningrad Cowboys“-Filme). Fans werden hier einige Details (z. b. die Musicbox aus dem Film „Der Mann ohne Vergangenheit“) entdecken. 

Kultur

Unbedingt anchecken sollte man Gigs der Cleaning Women (die haben handelsübliche Wäschetrockner zu Musikinstrumenten umgebaut und produzieren damit Achtziger-Elektronik-Dance-Sound), Duck & Cover (improvisieren live von Jazz bis Speed Metal - stellt euch z. B. „My Generation“ mit einsaitigem Banjo & Gesang a la arabische Volksmusik vor...) oder DJ Tixa (donnerstags im Kerma-Club-Erdgeschoss bei freiem Eintritt): gewandet wie Robin Hood, nur in Rot, begleitet er seine Turntable-Sounds mit Blockflöte oder Didgeridoo... KULT!

Am Sonntagnachmittag sollte man sich in den Gloria-Club begeben, wo open sessions nach Oulus Vorbild ablaufen. Kein Wunder, wurde die Idee doch von der finnischen Janis Joplin Maya Paakkari aus Oulu nach Helsinki „exportiert“. Das Besondere im Gloria - die hochkarätig besetzte Hausband, u.a. Nightwish-Basser Sami Vänskä. Dort kann man vielleicht auch Details zum Luftgitarre-Konkurrenzbewerb „Auf-einem-Kneipentisch-Trommeln“ erfahren, der in Helsinki zum zweiten Mal stattfand und nur unter Profi-Schlagzeugern ausgetragen wird.

Trotz der stolzen Preise (3,40 Euro für einen Kaffee!) im Torni (Yrjönkakatu 26) sollte man diese winzige Bar im Turm des Hotels unbedingt antesten - die Aussicht ist wirklich atemberaubend!

Im kleinen Cafe Tin Tin Tango (Töölöntori) kann man nicht nur M. A. Numminen, den finnischen Helge Schneider, antreffen, sondern gleich eine persönliche Generalüberholung (essen, trinken, Sauna, Wäsche waschen) vornehmen.

Kulinarisch kann ich die Kebab-Bude in der Eerikinkatu (nahe Mästro - das einzig genießbare Kebab in der Stadt!) und die Hausmannskost in der Sinien Baari bzw. im Atelje (Arkadiankatu) empfehlen; richtig gut Lunchen is auch im Schwedischen Theater (Anfang Mannerheimintie), im Kappeli (Eteläesplanadi 1) und natürlich im kultigen Traktor-Restaurant Zetor (Mannerheimintie 3-5). Koti-Pizza ist trotz des etwas abschreckenden Namens echt lecker (koti = Haus, Heim)...

Klaustrophobiker sollten übrigens das Thai-Restaurant Maithai (Annankatu 31-33) meiden - ich hab noch nie so viele Leute auf so engem Raum beim Essen gesehen... letzeres ist allerdings SUPER! Im Maithai und in anderen Cafes herrscht übrigens generelles Rauchverbot. Faustregel: Dort, wo kein Alkohol ausgeschenkt wird, darf man auch nicht pofeln. Verboten ist es auch generell, direkt an der Theke zu rauchen. Wer die Sucht nicht mal beim Chatten lassen kann: Gratis geht´s im Kiasma-Cafe (Mannerheiminaukio 2) und in der Pullman-Bar am Bahnhof, die M-Bar im Lasipalatsi verlangt zwo Euro für 20 min, fünf Euro für eine Stunde - fürs Surfen, nicht fürs Rauchen... Nichtraucher können die Gratis-Angebote in der Lasipalatsi-Bibliothek oder bei NetCup in  Stockmanns Kellergeschoß nutzen. 

Im Herbst muss man nicht nur mit Wetterkapriolen fertig werden. Da latscht man nichtsahnend ins One Pint Pub (Santakatu 2), um plötzlich mit deutschem Bier & unsterblichem deutschen Kulturgut („Resi i hol di mit´n Traktor oh“) konfrontiert zu werden. Dasselbe Drama dann auch in der Pullman-Bar. Nicht nur das Oktoberfest erinnert an das Erbe der Hanse - ich stolperte z.B. auch über den Gruß „moi-moi“ oder „broileri“ für Hähnchen.

Für rund 40 Euro kann man von Helsinki aus Tampere, Turku, Porvoo oder Talinn (Estland) erreichen, per Bahn, Bus oder Fähre, Reisedauer zwischen ein und zwei Stunden. Für Trips nach Stockholm oder St. Petersburg muss man allerdings mehr Zeit und Geld investieren (z. B. Visumantrag).

Porvoo, eine Fahrtstunde von Helsinki entfernt, sollte man sich keinesfalls entgehen lassen, locken hier doch die wohl ältesten Gebäude Finnlands. Die Insel Pellinki beherbergt zudem einige Meister der finnischen Sportart Axtwerfen. Woher die Gummistiefelweitschmeiß- bzw. Frauen-Rumschlepp-Meister kommen, konnte ich nicht herausfinden.

In Turku entfalten unzählige schwimmende Bars inklusive Sauna und Restaurants erst abends so richtig ihren besonderen Reiz; sogar die Filiale einer finnischen Fast-Food-Kette (Hesburger) schaukelt auf den Wellen. Kurios: Die Nurmi-Statue steht mitten auf der Straßenkreuzung (Anfang Hämeenkatu), wohl als Mahnmal, dass nicht mal er die Überquerung in der regulären Grünphase schaffen könnte.

Tampere versprüht den herben Charme einer alten Industriestadt. Karikaturen finnischer MusikerInnen (u.a. Michael Monroe und Ville Valo) sind inner Rock-Bar „Sputnik“ zu bewundern

Talinn bezaubert trotz Schneetreiben durch eine wunderschöne Altstadt, ein Tagesausflug reicht fast nicht aus. Für Finnen isses DIE Einkaufsstadt, daher die enorme Fährenfrequenz (jede Stunde mindestens eine). VillacherInnen fühlen sich da sicher an den alten Tarviser Markt erinnert, nur wird man in den Markthallen von russischen HändlerInnen angelabert. Für Alkohol und Zigaretten gibt es Mengenbeschränkungen bei der Einfuhr nach Finnland. Warum, wird einem bald klar. Die meisten Passagiere wärmen ihre Leber schon um acht Uhr morgens anner Bordbar auf, und in Talinn geht´s dann munter weiter, weil da alles sooo viel billiger ist (z. B. komplette Fast-Food-Menüs um knapp zwo Euro) Tja, bei der Rückreise sieht man Alk-Schmuggler, die dazu den eigenen Blutkreislauf nutzen und wegen erheblicher Motorikstörungen mittels Rollstuhl auf die Fähre befördert werden müssen.



impressum: bangers books * bücher zum kopfschütteln * wilhelmshöfe 19 * 79346 endingen * 666@bangersbooks.de